Birn & Hüdel

Die Genussgier hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass mein Beitrag zu ihrer Blogparade am Thema vorbei geht. Recht hat sie, deshalb leg ich nochmal nach. Und zwar mit einer Geschichte zu meinem absoluten Lieblingsgericht: Birn & Hüdel

Ich erinnere mich noch genau an die Besuche bei Oma & Opa, damals, als Kind. Solange ich denken kann drehte sich dort vieles ums essen. Oma hat gerne gekocht, gebacken und ihren Besuch mit unterschiedlichsten Köstlichkeiten verwöhnt. Sie war erst glücklich, wenn’s allen schmeckte. So konnte sie auch am Ende des Besuchs- und Essmarathons zielsicher aufzählen, welches der sieben Enkelkinder wie viele Stückchen Kuchen verdrückt und wie viele Tassen Kaffee die Eltern dazu runtergespült hatten. Soweit zu den Feierlichkeiten im Hause meiner Großeltern. Die fand ich schon als Kind recht anstrengend.

Besonders waren für mich aber die Tage, vorzugsweise im Winter, an denen ich alleine bei Oma war. Sie hat es geliebt, mir mein Lieblingsgericht zu zaubern. Schon wenn ich durch die scheppernde Tür der Laube zur Küche eintrat stieg mir der Duft von warmen Birnen entgegen. Die Freude wuchs, wenn ich den Schnellkochtopf auf dem Herd sah. Ein Handtuch um den Deckel gewickelt, damit der Hüdel, ein Hefekloß, sicher im Birnendampf garen konnte.

Während der Kochtopf vor sich hindampfte und rumzischte haben Oma und ich immer gespielt. Mensch ärgere dich nicht, Mallefix, Mühle, Kniffel und was die Spielesammlung noch so hergab. Unendlich lang kam mir damals die Zubereitung vor. Aber mit jeder Minute stieg die Vorfreude und wuchs der Appetit auf Birn & Hüdel, einem ostfriesischen Nationalgericht, dass es heute kaum noch irgendwo gibt.

Noch heute denke ich oft daran, wie ich Oma angebettelt habe, für mich Birn & Hüdel zuzubereiten. Dort war der einzige Ort, wo ich das jeh gegessen habe. Und weil ich nicht so oft bei ihnen war ist dieses schlichte, einfache Gericht bis heute etwas ganz besonderes für mich geblieben.

Das Rezept hat meine Oma vor ein paar Jahren mit ins Grab genommen. Doch was bleibt ist die Erinnerung. An liebe Großeltern, gutes Essen und unzählige Spielerunden.

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